Führen mit dem Fokus auf die Triple-Bottom-Line

von | 23.07.2022

Lasst uns nun den in Teil 1 und Teil 2 schon angedeuteten Bezug zwischen der Triple Bottom Line und Deinem Führungsstil noch näher beleuchten. Als erstes möchten wir Dich einladen, einen Blick auf die Herausforderungen unserer Zeit zu werfen, um dann im nächsten Schritt auf Spannungsfelder einzugehen und Dir im dritten Teil dieses Kapitels ganz konkrete Tipps für Deinen Alltag mitzugeben.

1. Herausforderungen der neuen Zeit

Mit der “neuen Zeit” meinen wir die letzten 5-10 Jahre, wobei aber insbesondere die Zeit seit Anfang der 20er Jahre, insbesondere durch Corona und seine Auswirkungen geprägt, noch einmal besonders sind.

Der Berater, Speaker und Autor Stephan Grabmeier sagt, dass die VUCA- von der BANI-Welt abgelöst wurde.

Wir haben es mit einer Reihe von chaotischen, nicht vorhersehbaren und berechenbaren Situationen zu tun, die jeglicher Struktur entbehren – sei es durch Klimakatastrophen, Kriege oder globale Pandemien.

Was das Akronym BANI konkret bedeutet, siehst Du in der nachfolgenden Grafik:

Was braucht es, um dieser Welt in Deinem Führungsalltag zu begegnen?
Diese Frage beantwortet Grabmeier so:

Grabmeier hat hiermit ein aus unserer Sicht sehr nützliches Framework geschaffen, das Du direkt für Deinen Führungsalltag nutzen kannst.1

 Wie kannst Du das angehen?

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Praxistipp: Das Starfish-Modell im Führungsalltag

Du kannst zum Beispiel das Starfish-Modell nutzen. Wenn Du im agilen Arbeiten unterwegs bist, kennst Du den Seestern oder Starfish vielleicht schon aus Retros.

Du kannst nun zusammen mit Deinem Team entscheiden, welchen Aspekt Ihr unter die Lupe nehmen wollt (Belastbarkeit & Resilienz, Empathie & Achtsamkeit, Kontext & Adaptivität, Transparenz & Intuition).

Wenn Ihr Euch für mehrere entscheidet, schaut sie Euch nacheinander an!

So kannst du mit dem Starfish-Modell arbeiten

1. Ich empfehle Euch, mit dem “Weitermachen” zu beginnen. Hier sammelt Ihr nämlich alles, was schon gut läuft, was so bleiben kann, worauf Ihr aufbauen wollt.

Das hat folgende Wirkung:

  • Es stärkt Euer Selbstbewusstsein
  • Ihr wisst, dass Ihr nicht bei 0 anfangt – das erleichtert Transformationsprozesse
  • Ihr bringt damit die nötige Stabilität in Entwicklungsprozesse

2. Ausgehend vom “Weitermachen” könnt Ihr dann entscheiden, wovon Ihr noch mehr wollt.

  • Nehmt Euch nicht zu viel vor, Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut
  • Seid Euch gewiss, dass Ihr aus allem, was Ihr macht, profitiert – jede Handlung wirkt quasi mit einem “Zinseszins”
  • Es ist besser, Ihr nehmt Euch 1 – 3 gute nächste Schritte vor und setzt diese auch um als einen Sack voller Ideen, die dann im Sande verlaufen

3. Was wollt Ihr stoppen?

  • Manche Dinge überholen sich im Laufe der Entwicklung
  • Was macht keinen Sinn mehr für Euch?
  • Trennt Euch von überflüssigem Ballast – so schafft Ihr Raum für Neues

4. Wovon macht ihr weniger?

  • Gerade im Bereich der Nachhaltigkeit ist weniger manchmal mehr
  • Was passt zu Euch und in welchem Umfang?
  • Fokus ist besser als alles auf einmal zu wollen!

5. Was beginnt Ihr neu?

  • Macht hier den Realitätscheck: Wie viel schafft Ihr wirklich?
  • Was sind die essentiellen Schritte, die Euch Euren Nachhaltigkeitszielen wirklich weiterbringen?
  • Wo wollt und könnt Ihr Eure Energie reingeben?

2. Typische Spannungsfelder der Triple Bottom Line

Du kennst das schon aus Deinem Führungsalltag: Wann immer es um Entwicklung geht, gibt es Zwickmühlen und Spannungsfelder.

Ohne diese Spannungsfelder geht auch das Thema “Nachhaltig führen” nicht ab. Wir haben im folgenden die herausgegriffen, die uns am häufigsten begegnen:

2.1 Spannungsfeld Zeit in der Triple Bottom Line

Lass uns gerne mit dem Thema Zeit anfangen.

Keine Zeit für Nachhaltigkeit in der Führung? Ich habe so viel im operativen Tagesgeschäft zu tun. Ja, das stimmt, trotzdem ist es  aus unserer Sicht eine Milchmädchenrechnung.

Wir sind der Meinung, dass Unternehmen, die nicht nachhaltig denken und handeln auch nicht zukünftsfähig sind. Insofern ist Nachhaltigkeit viel mehr als ein Trend.

Aber natürlich geben wir Dir auch recht, dass, um etwas Neues zu etablieren, dies eine Investition braucht – auch von Zeit. Wenn Du an die Eisenhower-Matrix denkst, ist es eine strategische Aufgabe, eine B-Aufgabe:

Du musst also bewusst Zeit einplanen, von allein bleibt sie nicht übrig. Wenn Du nichts tust, gehst Du im operativen Tagesgeschäft in Deinen A- und C-Aufgaben auf. Hier läufst Du aber gerade in Bezug auf das Thema Nachhaltigkeit Gefahr, ins Hintertreffen zu gelangen und den Anschluss zu verlieren. 

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Praxistipp: Eine Pomodoro für Deine nachhaltige Führung!

Nimm Dir an jedem Arbeitstag – wirklich an jedem!!! – mindestens eine Pomodoro-Einheit für Dein Thema “Nachhaltige Führung”. Es wird sich auszahlen, weil sich die Ergebnisse des Einstein-Zitats: “Das achte Weltwunder ist der Zinseszins” ganz von selbst einstellen; jeden Tag erweiterst Du Dein Wissen, setzt sich der Nachhaltigkeitsgedanke in Deinem täglichen Tun mehr und mehr durch. Möglicherweise geht es Dir dann wie dem Unternehmer Hans-Dietrich Reckhaus, der seinen Weg in dem Buch “Fliegen lassen” sehr eindrücklich beschreibt.2

Hier nochmal kurz die Erklärung, wie das mit den Pomodoro-Einheiten funktioniert:

  • Definiere Deine Aufgabe für 25 Minuten
  • Stelle deinen Timer auf 25 Minuten
  • Arbeite, bis der Timer klingelt
  • Hake die Aufgaben als erledigt ab
  • Mache eine Pause von 5 – 10 Minuten
  • Nach 4 Pomodori (= 4 Einheiten) ist eine größere Pause fällig (mind. 30 Minuten)

Welche Aufgabe Du für die 25 Minuten definierst, ist Dir überlassen, hier aber ein paar Impulse:

  • Recherchiere nach Best Practices nachhaltiger Unternehmen im Netz
  • Vernetze Dich mit Führungskräften, von denen Du in diesem Bereich lernen kannst
  • Erweitere Deine Nachhaltigkeitskompetenz, indem Du einen Beitrag liest, ein Video hörst
  • …..

2.2 Spannungsfeld Ökonomie und Ökologie in der Triple Bottom Line

 Ja, auch dieses Spannungsfeld ist keinem Unternehmer unbekannt. Gerade ökonomische und ökologische Interessen können sich mitunter im Wege stehen- wir hatten es am Anfang erwähnt.  Auch hier ergeben sich jede Menge Spannungsfelder. Wie kannst Du damit umgehen?

Die entscheidende Frage ist für uns die zwischen Kurz- und Langfristigkeit. Kurzfristig ist es gut möglich, dass Du denkst: Andere Sachen sind wichtiger, ich habe nichts gegen Nachhaltigkeit, aber ich muss – vielleicht auch gerade nach Corona – an das Überleben des Unternehmens denken – und hier stehen ganz klar wirtschaftliche vor sozialen Investitionen..

So gedacht haben möglicherweise auch Verantwortliche bei den Luftfahrtgesellschaften. Warum haben umfassende Unterstützungen – an die Lufthansa sind in Corona-Zeiten lt. Dahlmann rd. 10 Mrd. Euro! geflossen – dennoch nicht zu einer positiven Entwicklung geführt?  Don Dahlmann schreibt im Juli 2022 über den Wahnsinn an deutschen Flughäfen: “Die Staatshilfen führten nicht dazu, dass das Flugpersonal gesichert wurde. Stattdessen gab es Massenentlassungen. Sowohl bei den Airlines als auch den Betreibern der Flughäfen. Das führt jetzt zu den erheblichen Engpässen, die viele Urlauber erleben. Dass die Unternehmen kurzfristig kein neues Personal finden, liegt auch daran, dass kaum jemand Lust hat in einer Branche zu arbeiten, in der harte Schichtarbeit mit Dumpinglöhnen und Zeitverträgen ausgeglichen wird.3 Kurzfristig kam es zu Einsparungen, langfristig zu Imageschäden, deren volle Auswirkungen Luftfahrtgesellschaften wahrscheinlich erst in der Zukunft spüren werden.

Unternehmerisch  denken heißt eben vor allem, vorausschauend zu agieren, zukünftige Entwicklungen – ob gesetzlicher Art, die Entwicklung von Kund:innen und anderen Stakeholdern zu antizipieren und in die eigene Entwicklung einzubeziehen. Und hier – soviel steht fest – wird es ohne das Thema Nachhaltigkeit nicht gehen.

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Praxistipp: Reflexion mit dem Modell des Sustainable Mindset

Nimm Dir Zeit für Deine Entwicklung der nachhaltigen Führung, bleib aber dran und reflektiere regelmäßig.

Als Basis kann Dir das Modell des Sustainable Mindset dienen.

Entwickelt wurde es von Isabel Rimanoczy. Die folgende Grafik ist dem gleichnamigen Buch entnommen.5

Isabel Rimanoczy bringt mehr als 30 Jahre Erfahrung in Forschung, Lehre und als Autorin mit. Sie ist Mitglied einer Gruppe von 135 Akademikerinnen, die auf 5 Kontinenten zum Sustainability Mindset forschen. In dem Buch sind die 12 wichtigsten Aspekte aus dieser Forschungsarbeit zu einem Framework zusammengetragen worden, unterteilt in 4 Gruppen.

Wie kannst Du mit als Führungskraft mit diesem Framework arbeiten?

Wir haben 2 praktische Anwendungstipps für Dich:

1. Du suchst Dir einen Aspekt heraus, den Du als nächstes weiterentwickeln willst.

2. Du bestimmst auf der Skala von 0 (der Punkt ist noch gar nicht ausgeprägt) bis 10 (voll und ganz ausgeprägt) Deinen derzeitigen Stand (x).

3. Dann kannst Du für Dich die folgenden Fragen beantworten:

  • Woran erkenne ich, dass ich auf x bin?
  • Was mache/denke ich in meinem Alltag?
  • Wie bin ich bereits auf x gekommen?
  • Was waren wichtige Schritte für mich?
  • Über welche Fähigkeiten / welches Wissen verfüge ich jetzt schon, wo ich auf x bin?
  • Welche Werte lebe ich auf x?

 

4. Bestimme nun den nächsten Schritt auf der Skala, den Du gehen willst (y). Beantworte wieder die folgenden Fragen:

  • Woran merke ich, dass ich auf y bin?
  • Was ist hier (auf y) anders oder besser?
  • Wie kann ich meine Fähigkeiten aus 3. nutzen, um auf y zu kommen?
  • Was sind Teilziele auf dem Weg nach y?

 

5. Überlege Dir nun ganz konkrete nächste Schritte, um auf y zu kommen (weniger ist mehr!) Ein bis maximal drei Schritte reichen!

  • Bis wann willst Du die Schritte gegangen sein? Setze ein festes Zeitziel!
  • Wer kann Dich dabei unterstützen, Dein Ziel zu erreichen?
  • Wie kannst Du sicherstellen, dass Du an Deinem Ziel dranbleibst?

 

6. Reflektiere Dein Vorankommen

  • Wie empfehlen Dir, einmal im Monat Dein Vorankommen zu reflektieren.
  • Am besten Du vereinbarst einen JourFixe mit Dir selbst am letzten Tag des alten Monats oder am ersten Tag des neuen Monats.
  • Nimm Dir 20 Minuten Zeit (das reicht in der Regel) und nutze gerne das oben beschriebene Starfish-Modell.

Wir wünschen Dir viel Spaß mit der Triple Bottom Line.

Wenn Dich das Thema Nachhaltig führen interessiert, findest Du hier weitere Informationen zu unserem Workshop „Nachhaltig führen“.

Wir freuen uns, wenn wir uns wiederhören/lesen/uns sehen.

Herzlichst

Kathrin & das Team von zeitsprung

Quellen

1) https://stephangrabmeier.de/bani-vs-vuca/, Abgerufen am 01.06.2022

2) Reckhaus, Hans-Dietrich, Fliegen lassen. Wie man radikal und konsequent neu wirtschaftet.

3) Don Dahlmann, https://www.businessinsider.de/gruenderszene/automotive-mobility/drehmoment-krise-airlines-lufthansa-a/?tpcc=offsite_gs_e-mail_daily, Abruf am 12.07.2022

4) https://www.sdg-allianz.li/das-7-generationen-prinzip-der-irokesen/, Abruf am 11.07.2022

5) Isabel Rimanoczy, Sustainability Mindset, Routledge London and New York, 2021, S. 21

Kathrin Scheel – Expertin für Organisationsentwicklung

Kathrin Scheel

Kathrin Scheel ist Management Executive Coach (ECA), Lehrcoach und Lehrtrainerin (ECA) sowie Trainerin für Führung & Entwicklung. Und sie ist Mitgründerin von zeitsprung. Ihr sind die Einbindung von Führungskräften und Mitarbeitern im Unternehmen sowie deren Entwicklung sehr wichtig.

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