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	Kommentare zu: Bienen retten &#8211; 5 Möglichkeiten, um den fleißigen Bienchen zu helfen	</title>
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		Von: Iris Pinkepank		</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Iris Pinkepank]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 21 Apr 2022 09:08:29 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Ich freue mich sehr, dass die Bienenthematik Eingang in die Welt der Unternehmensberatung findet und damit den Nachhaltigkeitsdiskurs an dieser Stelle inspiriert. Denn hängt nicht alles mit allem zusammen? Als Nonprofit-Imkerin und Betreiberin der von der UN ausgezeichneten Umweltbildungsinitiative HonigConnection – Wir brauchen Bienen! möchte ich gern die Gelegenheit wahrnehmen, auch hier dazu meinen Beitrag zu leisten. Denn es ist ganz klar ist, die Probleme der Bienen sind menschengemacht. Schon lange propagiert HonigConnection „Änder‘ dein Verhalten!“ Zwei Aspekte sind mir dabei heute wichtig:
•	Blick schärfen – genau hinschauen: 
Die Bedürfnis- und Gefahrenlage von Wild- und Honigbienen sind unterschiedlich. Besonders gefährdet sind die Wildbienen. Sie stellen komplexe und komplizierte Anforderungen an ihre Fortpflanzungsbedingungen. So benötigt beinahe jede Art spezielle Pflanzen, mit deren Pollen sie ihre Brut versorgt. Bei der Zaunrüben-Sandbiene ist es die hochgiftige Zaunrübe, eine gelblichblühende Kletterpflanze, die gern auf Brachen wächst. Den Sand braucht die Zaunrüben-Sandbiene zum Bauen ihres Nestes. Als Solitärbiene legt sie keinen Staat an, sondern lediglich 5 Eier in eine selbstgegrabene Röhre, aus der ihre Nachkommen nach einem Jahr schlüpfen. Sie verbringen also mehr als zweidrittel ihres Lebens unter der Erde. Wildbienen sind besonders relevant für die Artenvielfalt: gibt es sie nicht mehr, überleben auch die Pflanzen, die auf sie angewiesen sind, nicht mehr und vice versa.

Honigbienen sind keine gezähmten Wildbienen, sondern bilden eine eigenständige Gattung. Sie bauen große Völker mit bis zu ca. 60.000 Tieren auf mit einer Königin, ca. 2.000 Drohnen, das sind die Männchen, und ca. 58.000 Arbeiterinnen. Honigbienen werden von Imker:innen gepflegt, denn sie produzieren den begehrten Honig. Die Imker:innen helfen ihnen eben auch bei der Überwindung von widrigen Umständen. Diesen Service genießen die Wildbienen nicht. Insofern sind die Honigbienen in ihrer Existenz den ganzen Umweltbelastungen nicht so ausgeliefert wie die Wildbienen, und sie sind durch ihre Völkerstärke auch resilienter. Aber das individuelle Leid jedes einzelnen Tieres ist sicher identisch.

Zur Förderung der Bestäuberinsekten in der Stadt halte ich persönlich das Imkern als spontanen Selbstversuch allerdings nicht für zielführend. Denn Imkern ist herausfordernd, braucht viel Wissen, Erfahrung, Geduld und Zuwendung. Das wird leicht unterschätzt. Oft überleben die Völker von Einsteiger:innen schon den ersten Winter nicht. Und das hat nichts mit dem Phänomen Bienensterben zu tun. Mein Vorschlag ist, von unseren Nachbarn zu lernen und mehr auf die Bepflanzung unserer urbanen Gefilde zu achten. In Holland gibt es z.B. die Geveltuintjes. Das sind Fassadengärten, die überall in der Stadt angelegt werden, wo man direkt an der Hauswand eine Reihe Pflastersteine entfernen kann, um dort blühende Pflanzen anzusiedeln. Das sieht nicht nur schön aus, es ermöglicht auch gärtnerisches Tun ohne eigenen Garten und erfreut besonders die Bestäuberinsekten. Weitere Anregungen hat HonigConnection im Rahmen ihres Symposiums „Architektur für wilde Tiere“ auf der Grundlage von Animal-Aided-Design diskutiert.

•	Blick weiten – Übergeordnetes betrachten:
Und zwar in Richtung Insekten- und Artensterben. Denn sind es nicht die großen Säugetiere in Afrika und Asien, denen wir besonders nachtrauern, wenn sie vom Aussterben bedroht sind? Hier müssen wir einen Bogen schlagen. Wild- und Honigbienen sind – wie die meisten Insekten – systemrelevant. Ihnen sollte unsere Aufmerksamkeit vor allem gelten. Ihnen können wir hier und jetzt helfen. Damit leisten wir aktiv einen wichtigen Beitrag zur Artenvielfalt, sogar bis hin zu Regenwald und Savanne. Insekten stehen am Anfang der Nahrungskette. Sind sie gefährdet, sind alle Pflanzen und Tiere gefährdet, die sich u.a. von ihnen oder ihren Produkten ernähren. Oder solche, die von ihren Bestäubungsleistungen profitieren (Obst, Gemüse, Gewürze, Kaffee, Kakao, Vanille). Und dazu zählen eben nicht nur die emotional aufgeladenen Riesensäuger ferner Kontinente, sondern viele andere Lebewesen und auch die Menschen überall auf der Erde. Deshalb sehe ich einen ersten wichtigen Schritt darin, dass wir uns mehr mit den atemberaubenden Fähigkeiten und mit der Schönheit der Insekten befassen, statt sie als stechend, stinkend, ekelig und Angst einflößend zu konnotieren. Sie benötigen dringend ein positives Image, das es uns leichter macht, sie zu respektieren.

Es ist also höchste Zeit, auf allen Wegen für die Bienenthematik zu sensibilisieren und mobilzumachen. Danke Zeitsprung für diese Initiative!

…und nicht vergessen. Kauft lokalen Honig! Denn nur 20 % des hierzulande konsumierten Honigs wird auch in Deutschland produziert. Das zeigt, wie kostbar handwerklich hergestellter Honig ist (der eigentlich mehr als ca. 20 € pro Glas kosten müsste, was ich z.B. in Japan bezahlt habe). Auf unserem Markt drücken industrielle Anbieter die Preise auf wenige Euros. Sie panschen das Bienengold mit billigem Zuckersirup, verkaufen es zu einem Spottpreis und profitieren trotzdem noch von riesigen Gewinnmargen. Eigentlich sollten wir dagegen eine große Kampagne auflegen… es gibt viel zu tun.


Zum Nachhören und -lesen:
Deutschlandfunk: „Insektensterben und was wir dagegen tun können“
Deutschlandfunk: „Schönheit und Raffinesse von Wespe&#038; Co.“
Deutschlandfunk: „Was können wir gegen den Insektenschwund tun?“
Deutschlandfunk: „Imkerboom in deutschen Städten“
HonigConnection Facebook]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich freue mich sehr, dass die Bienenthematik Eingang in die Welt der Unternehmensberatung findet und damit den Nachhaltigkeitsdiskurs an dieser Stelle inspiriert. Denn hängt nicht alles mit allem zusammen? Als Nonprofit-Imkerin und Betreiberin der von der UN ausgezeichneten Umweltbildungsinitiative HonigConnection – Wir brauchen Bienen! möchte ich gern die Gelegenheit wahrnehmen, auch hier dazu meinen Beitrag zu leisten. Denn es ist ganz klar ist, die Probleme der Bienen sind menschengemacht. Schon lange propagiert HonigConnection „Änder‘ dein Verhalten!“ Zwei Aspekte sind mir dabei heute wichtig:<br />
•	Blick schärfen – genau hinschauen:<br />
Die Bedürfnis- und Gefahrenlage von Wild- und Honigbienen sind unterschiedlich. Besonders gefährdet sind die Wildbienen. Sie stellen komplexe und komplizierte Anforderungen an ihre Fortpflanzungsbedingungen. So benötigt beinahe jede Art spezielle Pflanzen, mit deren Pollen sie ihre Brut versorgt. Bei der Zaunrüben-Sandbiene ist es die hochgiftige Zaunrübe, eine gelblichblühende Kletterpflanze, die gern auf Brachen wächst. Den Sand braucht die Zaunrüben-Sandbiene zum Bauen ihres Nestes. Als Solitärbiene legt sie keinen Staat an, sondern lediglich 5 Eier in eine selbstgegrabene Röhre, aus der ihre Nachkommen nach einem Jahr schlüpfen. Sie verbringen also mehr als zweidrittel ihres Lebens unter der Erde. Wildbienen sind besonders relevant für die Artenvielfalt: gibt es sie nicht mehr, überleben auch die Pflanzen, die auf sie angewiesen sind, nicht mehr und vice versa.</p>
<p>Honigbienen sind keine gezähmten Wildbienen, sondern bilden eine eigenständige Gattung. Sie bauen große Völker mit bis zu ca. 60.000 Tieren auf mit einer Königin, ca. 2.000 Drohnen, das sind die Männchen, und ca. 58.000 Arbeiterinnen. Honigbienen werden von Imker:innen gepflegt, denn sie produzieren den begehrten Honig. Die Imker:innen helfen ihnen eben auch bei der Überwindung von widrigen Umständen. Diesen Service genießen die Wildbienen nicht. Insofern sind die Honigbienen in ihrer Existenz den ganzen Umweltbelastungen nicht so ausgeliefert wie die Wildbienen, und sie sind durch ihre Völkerstärke auch resilienter. Aber das individuelle Leid jedes einzelnen Tieres ist sicher identisch.</p>
<p>Zur Förderung der Bestäuberinsekten in der Stadt halte ich persönlich das Imkern als spontanen Selbstversuch allerdings nicht für zielführend. Denn Imkern ist herausfordernd, braucht viel Wissen, Erfahrung, Geduld und Zuwendung. Das wird leicht unterschätzt. Oft überleben die Völker von Einsteiger:innen schon den ersten Winter nicht. Und das hat nichts mit dem Phänomen Bienensterben zu tun. Mein Vorschlag ist, von unseren Nachbarn zu lernen und mehr auf die Bepflanzung unserer urbanen Gefilde zu achten. In Holland gibt es z.B. die Geveltuintjes. Das sind Fassadengärten, die überall in der Stadt angelegt werden, wo man direkt an der Hauswand eine Reihe Pflastersteine entfernen kann, um dort blühende Pflanzen anzusiedeln. Das sieht nicht nur schön aus, es ermöglicht auch gärtnerisches Tun ohne eigenen Garten und erfreut besonders die Bestäuberinsekten. Weitere Anregungen hat HonigConnection im Rahmen ihres Symposiums „Architektur für wilde Tiere“ auf der Grundlage von Animal-Aided-Design diskutiert.</p>
<p>•	Blick weiten – Übergeordnetes betrachten:<br />
Und zwar in Richtung Insekten- und Artensterben. Denn sind es nicht die großen Säugetiere in Afrika und Asien, denen wir besonders nachtrauern, wenn sie vom Aussterben bedroht sind? Hier müssen wir einen Bogen schlagen. Wild- und Honigbienen sind – wie die meisten Insekten – systemrelevant. Ihnen sollte unsere Aufmerksamkeit vor allem gelten. Ihnen können wir hier und jetzt helfen. Damit leisten wir aktiv einen wichtigen Beitrag zur Artenvielfalt, sogar bis hin zu Regenwald und Savanne. Insekten stehen am Anfang der Nahrungskette. Sind sie gefährdet, sind alle Pflanzen und Tiere gefährdet, die sich u.a. von ihnen oder ihren Produkten ernähren. Oder solche, die von ihren Bestäubungsleistungen profitieren (Obst, Gemüse, Gewürze, Kaffee, Kakao, Vanille). Und dazu zählen eben nicht nur die emotional aufgeladenen Riesensäuger ferner Kontinente, sondern viele andere Lebewesen und auch die Menschen überall auf der Erde. Deshalb sehe ich einen ersten wichtigen Schritt darin, dass wir uns mehr mit den atemberaubenden Fähigkeiten und mit der Schönheit der Insekten befassen, statt sie als stechend, stinkend, ekelig und Angst einflößend zu konnotieren. Sie benötigen dringend ein positives Image, das es uns leichter macht, sie zu respektieren.</p>
<p>Es ist also höchste Zeit, auf allen Wegen für die Bienenthematik zu sensibilisieren und mobilzumachen. Danke Zeitsprung für diese Initiative!</p>
<p>…und nicht vergessen. Kauft lokalen Honig! Denn nur 20 % des hierzulande konsumierten Honigs wird auch in Deutschland produziert. Das zeigt, wie kostbar handwerklich hergestellter Honig ist (der eigentlich mehr als ca. 20 € pro Glas kosten müsste, was ich z.B. in Japan bezahlt habe). Auf unserem Markt drücken industrielle Anbieter die Preise auf wenige Euros. Sie panschen das Bienengold mit billigem Zuckersirup, verkaufen es zu einem Spottpreis und profitieren trotzdem noch von riesigen Gewinnmargen. Eigentlich sollten wir dagegen eine große Kampagne auflegen… es gibt viel zu tun.</p>
<p>Zum Nachhören und -lesen:<br />
Deutschlandfunk: „Insektensterben und was wir dagegen tun können“<br />
Deutschlandfunk: „Schönheit und Raffinesse von Wespe&amp; Co.“<br />
Deutschlandfunk: „Was können wir gegen den Insektenschwund tun?“<br />
Deutschlandfunk: „Imkerboom in deutschen Städten“<br />
HonigConnection Facebook</p>
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